Dienstag, 22. November 2011
Camper-Van-Tour (Cairns nach Brisbane in 11 Tagen)
Oh my god, what a terrible car !

So die exakte Reaktion eines Fremden auf unseren fahrbaren Untersatz, den wir für 11 Tage unser Eigen nennen durften.
Am 12. November startete unsere Tour in den Süden bis Brisbane von Cairns als wir unseren „Rudolfo“ (wie wir ihn liebevoll tauften) vom WickedVan-Verleih abholten.



Wir staunten nicht schlecht als uns dieses vorbildliche Muster von Auto vorgestellt wurde. Laut Angaben des Verleihers 5 Jahre alt (und in Wirklichkeit 7 Jahre) hatte dieses Auto schon VIEL gesehen, Rost hatte sich schon an so manchen der zahlreichen Beulen angesiedelt und insgesamt wäre der Allgemeinzustand als eher mangelhaft und in die Jahre gekommen einzustufen. Auch die Reifen hatten so gut wie kein Profil.

Bemalt wurde dieser zauberhafte Van nicht wie üblich bei Wicked-Vans von Künstlern, die den Van neben bunter Grafittikunst auch mit derben Sprüchen (möchten wir hier nicht zitieren) verzieren. Unserer wurde stattdessen im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung von einem Haufen Vorschulkindern „verziert“.







Im Innenraum warnten diverse Aufkleber vor 2 Tatbeständen, die die Reise für einen beenden und die Urlaubskasse leeren würden (hohe Selbstbeteiligung). Zum einen beendet man seine Reise, wenn man einem wilden Tier ausweicht (vor denen diverse Schilder am Straßenrand warnten (Koalas, Wombats, Wildpferde und natürlich Kängurus).

Wem das nicht als Warnung reichte, dem dienten die vielen Känguru-Kadaver am Straßenrand zusätzlich als Abschreckung besonders nicht bei Dämmerung und Nacht zu fahren.) oder wenn man seinen Motor „grillt“. Das der Motor überhitzt kommt leider nicht zu selten vor, da die Hitze und ständige Sonne auf das Auto und den Asphalt einen zwingt seine Geschwindigkeit schnell zu reduzieren oder eine Auszeit zu nehmen.



Rudolfo war mit einer „Küche“ im „Kofferraum“ ausgestattet (das heißt „Pumpwaschbecken aus einem Wasserkanister, Gaskocher, 2 Campingstühlen, einem Klapptisch, einer klebrigen „Kühlbox“ und etwas Plastikgeschirr). Im Mittelteil nach den Vordersitzen gab es eine Holzfläche, die wir uns zum Nächtigen mit dünnen und (ebenfalls sehr in die Jahre gekommenen) Schaumstoffmatratzen auslegen durften. Jedoch konnten wir uns relativ schnell für die traute Zweisamkeit und die Gemütlichkeit des Vans begeistern, da wir uns wie „richtige“ Camper vorkamen. Schade nur, dass die „richtigen“ Camper mit großen fahrbaren Wohnungen mit jedem nur vorstellbaren Komfort angereist kamen und unseren Van nur müde belächelt haben.

Da keiner von uns beiden je ein derartiges Gerät gefahren ist mussten wir uns zunächst an die schwergängige Schaltung, noch mehr an die falsche Fahrseite (links) und an die Größe des Vans gewöhnen.
Nachdem wir uns etwas mit Lebensmitteln versorgt hatten ging die erste Tagestour auch schon los und wir fuhren etwas ins Landesinnere um uns charmante kleine Dörfchen sowie die zahlreichen Wasserfälle und die einfach unglaublich grüne und farbenfrohe Flora der Tabellands anzuschauen. Man bedenke, dass wir uns am ersten Tag noch in den feuchten Tropen (Sonne: heiß, Luftfeuchtigkeit: sehr hoch) befanden.












In jenem verschlafenen Dörfchen auf unserem Weg zu den Wasserfällen fanden wir ein nettes kleines Familiencafé in Millaa Millaa in dem wir zum ersten Mal „Meat Pie“ (gedeckter Kuchen mit Fleisch gefüllt) probierten. Obwohl wir am Anfang sehr skeptisch waren essen wir diesen „Kuchen“ doch recht oft, denn diese in unterschiedlichster Variation (was die Füllung angeht) sind wirklich lecker und wie wir finden recht typisch für Australien.





Bei Yungaburra haben wir einen Abstecher zum Cathedral Fig Tree eingelegt. Wir hätten es selbst nicht erwartet, aber der Baum … wow, der war uralt und rießig!





Nach einem anstrengenden ersten Tag kamen wir abends an unserem ersten Campingplatz in Mission Beach an (direkt am Meer) und waren voller Vorfreude auf unser Abendessen (Spaghetti Bolognese), welches wir uns auf unserem Gaskocher zubereiten wollten.

Jedoch war zu unserer Überraschung der Gaskocher leer und wir blieben hungrig. Den nächsten Tag haben wir dann damit zugebracht Tankstellen abzuklappern um das Gas auffüllen zu lassen (selbstverständlich auf unsere Kosten).


Doch wie wir noch in allen anderen Campingplätzen feststellen werden sind wir mit unserem Van die reinste Attraktion und werden nach Ankunft von allen anderen Campern inspiziert und ausgefragt. So auch auf unserem ersten Campingplatz. Dort trafen wir auf einen Deutschen, der bereits zum siebzehnten Mal in Australien war … neben nützlichen Tipps zur Weiterreise gab es zum Frühstück Bananen geschenkt. Süß!




Entschädigend für jede Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten (besonders während der Nacht) ist jedoch am Morgen beim Aufwachen das Meer rauschen zu hören und aus unserem Fenster einige exotische Vögel und Palmen zu sehen.






An unserem zweiten Tag führte uns der Bruce Highway (DIE Straße in den Süden nach Brisbane) nach Townsville. Wir haben bereits das satte Grün der Tablelands verlassen und fahren auf dem Highway durch scheinbar menschenleere Gegenden auf einer so geraden Straße, als wäre diese mit dem Lineal abgemessen und in die Landschaft eingefügt worden. Scheinbar herrenlose Briefkästen, die auf eine Farm weiter im Land hinweisen, findet man alle ca. 5 km … in Deutschland nicht vorstellbar!

Sehr interessante Schilder („Rest or R.I.P“, „Rest if Sleepy“, „Take a Rest and Refresh“ …) weisen den Autofahrer dezent darauf hin, bei Übermüdung den nächsten Rastplatz aufzusuchen.

Am Straßenrand verkaufen einige Bauern ihre Erzeugnisse wie Honigmelonen, Ananas, Mangos, Papayas, Bananen … usw. .



Dort haben wir uns täglich mit frischem Obst eingedeckt. Alle Früchte hier sind der WAHNSINN. Die Kiwis sind süß und so lecker (wir kennen sie aus Deutschland eher sauer), die Ananas ist so voll im Geschmack und die Mangos … unbeschreiblich. Wir wünschten wir könnten euch nur ansatzweise vermitteln wie LECKER hier die Mangos sind (die in Deutschland sind dagegen ungenießbar, aber hier schmelzen sie wie Butter auf der Zunge und sind so süß und haben einen unverwechselbar tollen Geschmack). Kein Scherz, einfach nur Hammer! Wir sind hin und weg.



Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in Airlie Beach um die so groß umworbenen Withsunday Islands zu besuchen.
Auf dem Campingplatz gab es neben vielen exotischen Vögeln jeder Farbe und Größe eine Babykatze in der Nähe der Campingküche, die sich scheinbar in Tanja verliebt hat und ihr beim Essen buchstäblich auf dem Schoß saß. Leider ist unsere Tanja bekannter Maßen ja kein so sonderlich großer Katzenfan.

Nachdem wir uns informiert hatten wie wir am besten auf die Withsunday Islands kommen wurden wir hier etwas enttäuscht. Eigentlich wollten wir (mit unserem begrenzten Budget) mit der Fähre hinfahren und zurück fahren … ohne Tour und Schnickschnack. Doch auch hier witterten vor einiger Zeit die Reiseveranstalter eine wahre Goldgrube und so darf sich kein Tourist auf der Insel aufhalten solange er kein Hotel oder eine geführte Tour gebucht hat. Da wir uns aber diese Sehenswürdigkeit kaum entgehen lassen konnten, buchten wir die Tour, die wir finden konnten.

Die Withsunday Inseln gehörten vor der letzten Eiszeit zum Hauptland. Als das Eis schmolz erhöhte sich der Meeresspiegel und überflutete die Täler und legte allein die „Hügelspitzen“ (die heutigen Inseln) frei.

Die Fähre brachte uns früh morgens auf Hamilton Island, auf der wir einige Zeit zur freien Verfügung hatten. Nachdem wir mit dem kostenlosen Bus die Insel erkundet haben, genossen wir die ebenfalls kostenlosen Poolanlagen im Ressort.



















Um die Mittagszeit ging es dann ebenfalls mit der Fähre nach Withsunday Island zu dem weltberühmten Withehaven Beach.














Nach einem BBQ Lunch wurden wir für ca. 2 Stunden auf dem Strand „geparkt“. Trotz der riesen Turiattraktion war dieser Strand wie wir ihn sonst nur aus Reisebroschüren kennen (nur eben unretuschiert).

Der weiße puderfeine Siliziumstrand (warum so viel Silizium da ist versteht auch niemand) und das türkisblaue klare Wasser … einfach nur traumhaft. Auch die Tatsache, dass es auf dem Strand weder Hotelanlagen noch Imbissbuden (auch keine Toilette oder Mülleimer) gab, hat ihn nochmal schöner wirken lassen.







Der nächste Tag führte uns nach Mackay. Die Roadworks wurden zu unserem ständigen Hindernis.
Scheinbar gibt es drei Dinge worauf die Australier total abfahren:
Kreisverkehre (egal wie groß, auch wenn sie scheinbar keinen Sinn ergeben … es gibt sie überall und es werden immer mehr, was uns zum nächsten bringt),
Roadworks (Baustellen auf jeder Strecke mit Wartezeiten bis zu 20 Minuten reiht sich scheinbar eine Baustelle an die andere mit intensiven Personalaufwand, da möglicherweise in Australien ein Ampelnotstand herrscht und die „STOP“ und „SLOW“ Schilder alle von Menschen gehalten und umgedreht werden, den ganzen Tag bei glühendem Asphalt),
und das Dritte: Langsam-Fahr-Hügel (überall und manchmal recht gut versteckt, sodass man gerne mit einem ordentlichen Zacken über die Hügel fährt und einem regelrecht das Gepäck um die Ohren fliegt).




Weiter ging es nach Yeppoon, einem kleinen Städtchen nördlich von Rockhampton (der Rinderhauptstadt Australiens). Bei einem romantischen Strandspaziergang am Strand von Yeppoon gab es neben Felsen im Wasser auch einige Quallen und Muscheln zu sehen.





































Am Ende vom Tag versuchten wir uns wie jeden Abend etwas günstiges aber auch genießbares mittels unseres Campinggeschirrs zu kochen.



Am nächsten Tag in einer Stadt mit dem Namen „Town of 1770“ erinnerte daran, dass Kapitän Cook im Jahre 1770 zum ersten Mal auf diesem wunderbaren Strand das Festland Australiens betrat.















Nur einige Kilometer weiter am Strand von Agnes Water schauten wir Surfern beim Wellenreiten zu. Später auf dem Campingplatz, der direkt im Wald lag ließen sich bei Dämmerung einige Kängurus blicken … direkt neben unserem Van.




Und wer sich schon mal gefragt hat warum Australien auch der „Rote Kontinent“ genannt wird … naja, weil die Erde (ist dann Vulkanerde) ab und zu mal rot ist.




Am Strand von Mon Repos schlüpfen zur Zeit (vermutlich aber in der Nacht) die Babyschildkröten um ihren Weg ins Meer anzutreten. Wie vermutet haben wir leider keine gesehen, dafür aber erneut tolle Muscheln (kommen daheim wahrscheinlich mit 5 Kilo Muscheln an).






Auf unserem nächsten Campingplatz (erneut direkt am Strand) bewunderten wir am nächsten Morgen die extreme Ebbe nach dem Motto: Wo ist nochmal das Meer hin?




Danach ging es zu einer wie wir finden ganz bezaubernden Stadt: Maryborough. Als eine der ältesten Städte in Australien gibt es dort einige denkmalgeschützte Häuser und einen schönen Park … und ein „Husband Day Care Center“ … love it! 













Im Laufe des Tages fiel uns dann auf, dass ein kleines rotes Lämpchen in unserem Van leuchtet. Natürlich waren wir als Autoprofis ganz entzückt und wussten bald schon die Lösung des Problems (nachdem wir mehrere Leute gefragt und den Notfallservice angerufen haben). Das Öl war leer. Doch wir konnten Öl nachkaufen und haben es geschafft dieses in die richtige Öffnung zu füllen.


Nach einer längeren Fahrt durch einen der unzähligen Nationalparks kamen wir in Rainbow Beach an. Ein Ort mit einem tollen Strand und einer berühmten Sanddüne, die mitten in dem Nationalpark auftürmt. Im Laufe der Jahrtausende wurde immer mehr Sand von der Küste dort hin geweht.








Übernachtet haben wir in Hervey Bay.
Vormittags haben wir, bevor wir zu unserem nächsten Ziel starteten, eine kurze Auszeit am Sunshine Beach in Noosa genossen. Wieder ein toller Strand mit riesen Wellen. Zurückversetzt in die Zeit unserer Kindheit warfen wir uns ins Meer … und waren hin und weg (buchstäblich).


Unser letzter Stop vor Brisbane sollte Caloundra sein. Ein kleiner beschaulicher Ort mit einem wer hätte es gedacht … tollen Strand und Meer. Zum Abschluss gönnten wir uns frisches Gemüse auf dem BBQ mit Rindswürstchen.











Am letzten Tag standen wir früh auf um unseren Van pünktlich in Brisbane abzugeben und hofften, dass auf den letzten Metern dieser nicht schlapp machte.
Nach einer Irrfahrt durch die ganze Millionenstadt (dank unserer tollen von Wicked Van mitgegebenen und unlesbaren Karte und Wegbeschreibung zum Wicked-Verleih, Danke nochmal!).

Nachdem wir mehrere Leute gefragt haben, hat sich ein überaus netter Mann angeboten uns bis zu dem Verleih zu eskortieren.

Wir waren heilfroh und unser Dank wird ihm für immer nachschleichen, da er uns wirklich direkt vor den Verleih gebracht hat, nachdem wir ihm in einem sehr rasanten Tempo ca. 40 Minuten durch die komplette Stadt gefolgt sind.

Nachdem wir uns gestern fürs WOOFING angemeldet haben und heute in Bundaberg (ca. 7 Stunden nördlich von Brisbane) Arbeit auf Farmen gefunden haben werden wir morgen früh aufbrechen und versuchen so schnell wie möglich unsere Urlaubskasse etwas aufzufüllen.